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Sprachbildung und Sprachförderung im Unterricht

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Thomas schaut Dich mit leuchtenden Augen an. Gerade hat er Dir freudestrahlend erzählt, dass… ja, was eigentlich? Du hast ihn einfach nicht verstanden, fragst nach und verstehst ihn wieder nicht. Du möchtest nicht ein weiteres Mal nachhaken, nickst daher nur und lächelst freundlich. 

Thomas läuft voller Freude zu seinen Klassenkameraden zurück. 

Gestörte Sprache

Diese oder ähnliche Situationen hast Du vielleicht schon erlebt. Die Gründe für diese Art von Kommunikationsschwierigkeiten sind vielschichtig. Manchmal erschwert die fehlerhafte Grammatik oder die verwaschene Artikulation die Kommunikation. Ein anderes Mal ist es der eingeschränkte Wortschatz, der dazu führt, dass Zusammenhänge nicht verständlich dargestellt werden. Spricht ein Kind überhastet, wird dies Poltern genannt. Ist der Redefluss gestört, wird von Stottern gesprochen. Es gibt aber auch Kinder, die Probleme bei der Lautbildung haben, Laute auslassen oder ersetzen. Dies wird als Dyslalie bezeichnet. Die Auffälligkeiten sind vielfältig. Die Sprachrezeption, Sprachverarbeitung oder Sprachproduktion kann gestört sein. Betroffene Kinder können Dir nicht nur im Vorschulbereich begegnen, sondern auch im Primärbereich und darüber hinaus. 

Prävention durch sprachsensiblen Unterricht

 Vielleicht fragst Du Dich jetzt, weshalb all dies auch für Dich von Relevanz ist. Schließlich gibt es Experten aus dem sprachtherapeutischen und medizinischen Bereich, die für diese Kinder zuständig sind. Und Du bist Expert*in für Dein Unterrichtsfach. Bei umfassenden Auffälligkeiten ist eine sprachtherapeutische Maßnahme unerlässlich. Fakt ist jedoch, dass ein sprachsensibler Unterricht allen Schüler*innen zugutekommt. Schließlich hat die Sprache eine zentrale Bedeutung und Funktion für den Unterricht. Sie ist zur selben Zeit Medium, Unterrichtsgegenstand und Wissensträger. 

Sprache und Denken

Sowohl in der Psychologie als auch in der Linguistik ist es unumstritten, dass es einen engen Zusammenhang zwischen der Sprache und dem Denken (Kognition) gibt. Kinder und Jugendliche mit weniger guten sprachlichen Kompetenzen – lautsprachlich und/oder schriftsprachlich – haben Nachteile beim schulischen Lernen. Beispielsweise können im Fach Mathematik komplexe Textaufgaben das Aufgabenverständnis der Kinder mit geringem oder fehlerhaftem Wortschatz beeinträchtigen. Dies gilt natürlich auch für mündliche Arbeitsaufträge in allen Unterrichtsfächern. Hier erschweren komplexe Satzstrukturen und der Gebrauch von Fremdwörtern ebenfalls das Verständnis. 

Prinzipien eines sprachbewussten Unterrichts

Mithilfe einiger einfacher Prinzipien kannst Du in Deinem Unterricht die sprachlichen Fähigkeiten Deiner Schüler*innen bilden und fördern sowie ihnen das Lernen erleichtern. Das wichtigste Instrument dafür bist Du beziehungsweise Dein sprachliches Vorbild. Die Kinder orientieren sich an Dir. Du präsentierst neue oder schwierige sprachliche Strukturen. Diese Form der sprachlichen Modellierung geht den Äußerungen der Kinder voraus. Das korrektive Feedback ist wiederum eine einfach anzuwendende Modelliertechnik, die den fehlerhaften sprachlichen Äußerungen der Kinder folgt. Du nimmst die Äußerungen auf und gibst sie berichtigt wieder. Diese Korrektur passiert quasi nebenher, ohne, dass dies mit erhobenem Zeigefinger oder Rotstift geschieht. Aber auch im schriftsprachlichen Bereich hast Du die Möglichkeit, durch die Auswahl entsprechender Texte das sprachliche Vermögen Deiner Schüler*innen zu fördern. Komplexe Texte mit vielen, schwer verständlichen Begriffen oder Fremdwörtern überfordern Schüler*innen schnell. 

Fragen zum Text helfen, das Verständnis zu sichern, schwierige Begriffe zu erklären und Inhalte zu sichern. Dies gelingt als Quiz wunderbar. Die Kinder formulieren Fragen und Antworten zum Textinhalt. In einer anschließenden Quizphase fordern sie die anderen Kinder mit ihren Fragen heraus. Du siehst somit, dass es relativ einfach ist, sprachliche Förderung in den Unterricht zu integrieren. Du benötigst dafür keine sprachtherapeutische Zusatzausbildung. Deine Haltung und Dein bewusster Umgang mit der Sprache sind gerade vor dem Hintergrund von zunehmend heterogenen Klassen Dein wichtigstes Werkzeug. 

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