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Stimme macht Stimmung

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Deine Stimme ist das wichtigste Medium, das Dir als Lehrer zur Verfügung steht.

Im Studium wird das Organ Stimme wenig behandelt. Das Thema ist meistens erst dann interessant, wenn die Stimme in der 6. Stunde Unterricht heiser wird, krächzt und nicht mehr will. Erst jetzt wird dem Einzelnen bewusst, wie wichtig dieses Medium für seinen Unterricht ist. Denn den ganzen Unterrichtstag Filme schauen, Gruppenarbeiten durchführen und mit nonverbaler Kommunikation eine Klasse führen, sind durchaus überlegenswerte Ansätze, aber so ganz ohne Stimme geht es wohl kaum.

Klangfarbe, Stimmmodulation, Atmung und auch der bewusste Einsatz von Pausen verraten einiges über den Lehrer und seine Persönlichkeit – ist er selbstbewusst, empathisch, sympathisch oder eben nicht. Die Stimme gehört mit zum ersten Eindruck, den Lehrer bei Schülern hinterlassen!

Die Stimme führt durch den Unterricht, prägt das Unterrichtsklima und die Lehrer-Schüler- Beziehung. Deine Stimme ist angeboren und kann nur unter Anstrengung verstellt werden. Es bringt herzlich wenig, wenn der Seminarlehrer die Stimme an sich kritisiert, da die Lehrkraft sie nicht ohne Weiteres ändern kann. Z.B.: „Ihre Stimme empfinde ich als sehr anstrengend für die Schüler“ – und jetzt?

Was aber durchaus eine Rückmeldung sein kann, ist, dass man den Eindruck habe, die Nervosität würde sich in der Stimme bemerkbar machen. Oder der Refi spricht zu leise, zu laut, wenig moduliert, langweilig, monoton, angestrengt ... Daran kann durchaus etwas geändert werden!

 

Situation 1: Die Klasse ist zu laut.

Die Klasse ist laut. Die Bitte um Ruhe wird nicht gehört oder ignoriert. Schnell tendiert man zu einem „Brüller“ in die Klasse. Das wirkt, wenn Du einen tiefen, männlichen Kasernenhofton hinbekommst. Generell, wirkt Brüllen immer schnell hysterisch – als hättest Du die Situation nicht mehr im Griff. Deshalb bemühe Dich, nie gegen die Klasse anzuschreien. Werde ruhig, schweige, signalisiere nonverbal Ruhe und Präsenz im Klassenzimmer und warte. Das funktioniert. Von Trillerpfeifen, Schlägen auf das Pult usw. raten wir Dir ab. Du gibst den Ton vor und der sollte in normaler Zimmerlautstärke sein.

Situation 2: Blablabla und zzZ

Die Schüler sind eingeschlafen, dösen, kritzeln vor sich hin und folgen dem Unterricht nicht. Das passiert, wenn jegliche Spannung und Begeisterung in Deiner Stimme fehlt.

Du kennst es selbst. Jemand muss Dir unbedingt von einer Sache berichten. Seine Augen leuchten und die Begeisterung bricht aus ihm raus. Da hört man gerne zu, lässt sich anstecken und hängt schnell an den Lippen des Erzählers.

Ganz so überschwänglich muss es dann auch nicht sein. Achte bei Deinem Unterricht darauf, Höhen, Tiefen, kleine Pausen und lebendige Betonungen einzusetzen. Das bringt Schwung in die Stimme und motiviert Deine Schüler.

Findest Du Deinen Unterricht selbst langweilig oder uninteressant, dann schlägt sich das auch auf die Stimme nieder und letztlich auf das Unterrichtsklima.

Situation 3: Die Stimmung ist im Keller.

Für Deine Schüler war es bisher ein langer Tag. Sie sind erschöpft, haben keine Lust mehr und wollen in ihre Freizeit. Durchhalten ist angesagt: „Gute Mine zur letzten Stunde.“ Mit einem Lächeln wertest Du die Situation wieder auf. Das Lächeln überträgt sich durch die Stimme, selbst wenn man den Gesprächspartner nicht sieht. Schüler haben ein gutes Ohr, um die Stimmung in der Stimme einzuordnen. Mal braucht es einen strengen Tonfall, um zu disziplinieren, klare Anweisungen zu treffen, mal einen einfühlsamen, um Schülern das Gefühl von Nähe und Verständnis zu vermitteln.

Beides solltest Du beherrschen und flexibel einsetzen. Aber nicht vergessen: Lächeln - das ist ansteckend und entschärft manche Situation.

Training on the job

  • Stimmübungen (Singen, Zwerchfelltraining, Einsprechen, geht auch gut im Auto) stärken die Stimmbänder und das Stimmvolumen. Auch die Bauchatmung trainieren und auf eine aufrechte Körperhaltung achten.
  • Ausreichend Trinken und Lutschpastillen in die Schultaschen packen!
  • Das Klassenzimmer lüften. Das erhöht die Luftfeuchtigkeit.

  • Klar - Rauchen und Kaffee sind nicht optimal.

  • Die Klassen zur Ruhe und einer ruhigen Arbeitsatmosphäre erziehen – ist manchmal

    ein harter Job...

  • Raumakustik beachten (schöner Tipp, aber auf die Rahmenbedingungen hast Du meist keinen großen Einfluss, auch wenn Teppichböden und Vorhänge Schall schlucken)

  • Methodenwechsel: Gönn Deiner Stimme Pausen. Und lass Deine Schüler mithilfe schüleraktiver Methoden zu Wort kommen!

Stimme angekratzt oder ganz weg

Im Winter, hat es unsere Stimme nicht leicht. Erkältungen schlagen auf die Stimmbänder. Bei Heiserkeit solltest Du nach Schonungsmöglichkeiten suchen. Nicht räuspern, sondern abhusten, nicht flüstern oder leise reden, lieber schweigen und regelmäßig Trinken sowie Lutschpastillen konsumieren.

Ist die Stimme ganz weg, hilft nur ein Besuch beim HNO-Arzt. Dieser wird Dich krankschreiben und ein Sprechverbot erteilen, bis Deine Stimme sich erholt hat. Das kann 2 Wochen dauern und ist natürlich lästig.

Solltest Du öfter derartige Problem haben, hilft langfristig nur Logopädie, Stimmbildung und Stimmtraining. Hierzu gibt es Lehrerfortbildungen, die Du eventuell, während Deines Referendariats noch nicht besuchen darfst - aber fragen kostet nichts. Besser als langfristig eine Berufsunfähigkeit zu riskieren, denn ganz ohne Stimme ist die Stimmung erstmal am Boden.

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