Studium Referendariat Lifestyle

Blog

Zeitmanagement oder: Ein PlĂ€doyer fĂŒr den Abschied vom Perfektionismus / Blogbeitrag "Nigela"

Uhr

(C) geralt / pixabay - canva lizenz

Ja, heute spoilert der Titel. Trotzdem wollen wir uns die MĂŒhe machen, weiter vorne anzufangen. Das Thema Zeitmanagement ist fĂŒr jede/n von uns spĂ€testens seit dem Studium, meist jedoch eher schon seit der eigenen Schulzeit, von Bedeutung. Wirklich unverzichtbarer Bestandteil des Alltags wird es aber erst im Ref. Da muss man plötzlich in jeder gezeigten Unterrichtsstunde sein mehr oder weniger geniales Zeitmanagement unter Beweis stellen, welches man tĂ€glich in der knappen Freizeit unbewusst trainiert, und welches sich in den 18 Monaten auch wirklich rapide verbessert – so zumindest Nigelas persönliche EinschĂ€tzung.

WĂ€hrend man das Schreiben von Hausarbeiten im Studium vor sich herschob und feststellte, dass die Motivation erst mit dem Druck exponentiell wĂ€chst, hat man bereits geahnt, was es mit „Prokrastination“ auf sich hat (unser aller Lieblingswort, nicht wahr?), und sich zum ersten Mal vorgenommen, beim nĂ€chsten Mal alles viel frĂŒher und strukturierter anzugehen – natĂŒrlich zu Recht! Aber spĂ€testens im Ref bekommt dieser gute Vorsatz dann seinen Namen – Zeitmanagement – sowie eine neue Verbindlichkeit.

Schon der Begriff „ZeitMANAGEMENT“ impliziert, dass etwas aktiv gestaltet und nicht einfach laufen gelassen wird. Ein hilfreiches Werkzeug sind hierbei natĂŒrlich ZeitplĂ€ne. Aber Achtung: Das Erstellen von ZeitplĂ€nen kann auch schnell zur Prokrastinationsfalle werden – also nicht ĂŒbertreiben! Bei dieser Zeitplanung ist es wiederum wichtig, die einzelnen Inhalte der PlĂ€ne mit PrioritĂ€ten zu versehen und diese auch unbedingt einzuhalten (Achtung, Dringlichkeit ≠ Wichtigkeit, beides muss berĂŒcksichtigt werden).

Aber wie sorgen wir dafĂŒr, dass das mit dem Einhalten klappt? ZunĂ€chst natĂŒrlich dadurch, dass wir realistisch planen und uns nicht von vornherein mehr vornehmen, als wir leisten können. Leider schreibt einem der Ref-Alltag mitunter mehr auf die To-Do-Liste, als einem lieb ist. Gerade deshalb mĂŒssen aber ganz bewusst Pausen, Freizeit und Belohnungen zu diesem Alltag gehören! Diese mĂŒssen tatsĂ€chlich elementarer Bestandteil unseres Zeitmanagements sein. Kleinere Etappen (Unterricht fĂŒr den nĂ€chsten Tag, Aufsetzen der Klassenarbeit etc.) lassen sich mit leckerem Essen, einem heißen Bad, einer Serie oder einem Kapitel im Lieblingsbuch zum Tagesausklang belohnen. FĂŒr grĂ¶ĂŸere Etappen (Lehrprobe absolviert, Klassensatz Klausuren korrigiert, erstes Halbjahr ĂŒberstanden etc.) darf dann auch mal ein Tag mit Freund/innen im Freizeitpark oder ein Sommerferienmonat in Thailand verbracht werden. Aus dem Gleichgewicht gerĂ€t dieses System, wenn das Aufsetzen des Elternbriefes bereits mit dem Freizeitparkausflug belohnt wird.

Lange Rede, kurzer Sinn: Plant Belohnungen in Form von Freizeit (= Pausen) ein und ihr werdet euren Plan viel lieber durchziehen und sorgt nebenbei auch noch fĂŒr eure Gesundheit. Diese freut sich natĂŒrlich nicht nur ĂŒber ausreichend Schlaf und regelmĂ€ĂŸige Mahlzeiten, sondern auch immer ĂŒber Bewegung. Wer es nicht schafft, Sport in seinem Zeitplan unterzubringen, könnte (wie Nigela) die ausgleichende Bewegung in den Alltag einbauen und zur Schule joggen oder das Rad nehmen.

ZusĂ€tzlich ist es gerade im Lehrerberuf unerlĂ€sslich, auch ganz bewusst Pufferzeiten zu berĂŒcksichtigen, in denen Unvorhergesehenes untergebracht werden kann, denn das gehört zu unserem Alltag dazu: Hier einen Elternbrief wegen der dritten nicht gemachten Hausaufgabe schreiben, dort der kurzfristig anberaumten Klassenkonferenz beiwohnen usw. Wenn solche Pufferzeiten nicht bewusst mit eingeplant werden, fĂŒhrt das nicht selten dazu, dass man die vorgesehene Freizeit am Abend als Pufferzeit nutzt. Dann wird die Serie eben einen Tag spĂ€ter geschaut. Solange nicht dauerhaft darauf oder auf vergleichbare Pausen verzichtet wird, ist dies ein praktikables Vorgehen. Es sollte aber definitiv nicht zur Gewohnheit werden.

Auch wĂ€hrend eurer Arbeitsphasen könnt ihr verschiedene Maßnahmen ergreifen, um eure Arbeit effizienter zu gestalten. Unterbindet z.B. jede Störung. Welchem SchĂŒler wĂŒrdet ihr empfehlen, bei den Hausaufgaben das Smartphone neben sich liegen zu haben? Nun, fĂŒr uns gilt nichts Anderes. Plant zeitlich definierte Arbeitsblöcke, in denen Handy, Kaffeemaschine und Co. tabu sind. Und seid auch so realistisch zu sehen, dass man sich nicht sonderlich lange am StĂŒck wirklich effektiv konzentrieren kann. Drei Stunden ununterbrochen am Schreibtisch sitzen zu wollen ist also Quatsch – plant ruhig nach 90 Minuten eine HeißgetrĂ€nkpause oder den Gang zum Supermarkt ein, z.B. um den Schokivorrat aufzufĂŒllen (bloß keine DiĂ€ten im Ref!).

Es gibt verschiedene weitere Strukturierungsmaßnahmen wie die Salami-Taktik, Skelett-vor-Detail oder die VerschrĂ€nkung von Arbeitsvorhaben. Das lĂ€sst sich jedoch wunderbar bei einem Blick in die Fachliteratur nachlesen und wird dort mit Sicherheit wissenschaftlich fundierter dargelegt, als wir das könnten. Stattdessen wollen wir uns einem Thema widmen, zu dem wir einen viel persönlicheren Zugang haben. Einem Thema, das unseres Erachtens ein Kernaspekt beim Zeitmanagen ist und das insbesondere Referendar/innen – gezwungenermaßen –, aber auch viele junge und auch nicht mehr so junge Lehrer/innen betrifft: das Schreckgespenst Perfektionismus. Oft durch gleichermaßen intrinsische wie extrinsische Motivation angetrieben, sitzen wir bis zum Sanktnimmerleinstag an der Suche nach dem richtigen kleinen Bildchen fĂŒr das Arbeitsblatt, knobeln an dem aussagekrĂ€ftigen Kommentar (oder Roman?) zur gerade korrigierten Klassenarbeit und laminieren die Stationenarbeit in verschiedenen Farben. Vorneweg: NatĂŒrlich ist das grundsĂ€tzlich richtig so. NatĂŒrlich hat dieses Vorgehen gerade in Anbetracht der zahlreichen PrĂŒfungssituationen seine Berechtigung und genauso natĂŒrlich sind wir auch unabhĂ€ngig davon bemĂŒht, unsere Aufgaben so gut wie nur möglich zu erfĂŒllen (wir gehen an dieser Stelle mal ganz selbstverstĂ€ndlich von den idealistischen GrĂŒnden der Berufswahl aus). Hier kommt jedoch das Aber: Dieses Vorgehen ist nur begrenzt leistbar und kein/e SchĂŒler/in hat etwas davon, wenn wir uns ĂŒbernehmen, unsere Grenzen ĂŒberschreiten und letztlich ganz ausfallen. Nun zu der guten Nachricht: Wir mĂŒssen unseren Anspruch nicht gĂ€nzlich aufgeben, um klarzukommen. Das Zauberwort lautet Pareto-Prinzip – auch 80/20-Regel genannt. Dieses besagt, dass man mit 20 % des Gesamtaufwandes 80 % der Ergebnisse erreicht, wĂ€hrend man fĂŒr die fehlenden 20 % des Weges 80 % der Zeit benötigt. Und genau diese Erkenntnis sollte Grundlage unserer Zeitplanung sein!

Achtung, hieraus sind natĂŒrlich keine absoluten Schlussfolgerungen zu ziehen. NatĂŒrlich gibt es Situationen, in denen 80 % nicht reichen, es gibt Situationen, in denen die 80 % doch mehr als 20 % des Gesamtaufwandes erfordern und es gibt Situationen, in denen man vielleicht nur 10 % Zeit hat. In allen anderen Situationen jedoch hilft die RĂŒckbesinnung auf Pareto und die Frage, ob die bereits vorhandene GlĂŒhbirnen-Graphik fĂŒr das Merkblatt nicht genauso ihren Zweck erfĂŒllt, wie das Aha-MĂ€nnlein, nach dem man schon seit einer halben Stunde die Google-Bildersuche durchforstet. Und psst, unter uns: Wenn man sich fĂŒr die GlĂŒhbirne und gegen das Aha-MĂ€nnlein entschieden hat, darf man die gesparten 80 % des Aufwandes auch mit Fensterputzen verbringen – oder mit Seriengucken.

Tipp aus der Fit4Ref-Redaktion:

(C) Nicole LĂŒke

Dieser Blogbeitrag wurde von den beiden Buchautorinnen "Ni" und "gela" verfasst. In dem Buch "Mit Nigela durchs Referendariat" findet ihr noch viele weitere spannende Geschichten rund um das Referendariat.

Weitere Informationen erhaltet ihr auch in unserem Blogbeitrag, indem wir das Buch bereits vorgestellt haben: Hier klicken.

Kaufen könnt ihr das Buch hier: Hier klicken.

Einen Kommentar schreiben

Das hat geklappt. Die Angaben wurden gespeichert.

Leider ist ein Fehler aufgetreten.