Praxissemester im Lehramtsstudium

Die Kultusministerkonferenz hat durch ihre "Eckpunkte für die gegenseitige Anerkennung von Bachelor- und Masterabschlüssen in Studiengängen, mit denen die Bildungsvoraussetzungen für ein Lehramt vermittelt werden" ("Quedlinburger" Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 02.06.2005) festgelegt, dass "der Anteil der schulpraktischen Studien im Studium deutlich zu erhöhen ist und diese sowie die Bildungs- und Fachwissenschaften und deren Didaktik stärker miteinander zu vernetzen sind, um eine verbesserte Orientierung an den Erfordernissen des Lehrerberufs zu erreichen." Dies gilt zwar für alle Bundesländer Deutschlands, dennoch gibt es keine einheitlichen Regelungen für das Praxissemester im Lehramtsstudium und die Anzahl sowie die Dauer für die Praktika im Lehramtsstudium variieren durchaus.

Ablauf und Bewerbung beim Praxissemester

Alles, was du zum Praxissemester wissen musst – von der Bewerbung bis zum genauen Ablauf

Grund fĂĽr die Praxisphasen im Lehramtsstudium

Für das Lehramtsstudium sind die Praxisphasen besonders wichtig, da du hier deine ersten Erfahrungen als Lehrer*in machst und in deinen zukünftigen Job hineinschnuppern kannst. Viele Studierende fühlen sich in ihrer Studienwahl bestätigt und sind sich sicher, dass das ihr Traumjob ist. Andere hingegen erkennen bereits im Praxissemester, dass der Lehrberuf vielleicht doch nicht das Richtige für sie ist und entscheiden sich anschließend für ein anderes Studium. Die Praktika sind aber nicht nur aus diesem Grund wichtig für angehende Lehrer*innen, sondern auch um Feedback von ihren Mentor*innen zu erhalten. Das heißt, dass man sich durch den Praxisbezug der schulpraktischen Studien, respektive des Praxissemesters, eine Eignungsabklärung der potenziellen Lehrkräfte erhofft, die vor allem durch die Unterstützung von (Selbst-)Reflexionsprozessen erfolgen soll. Darüber hinaus sollen im Rahmen der schulpraktischen Studien Beratungen zur Kompetenzentwicklung durch die an der Lehrer*innenausbildung beteiligten Zuständigen dazu beitragen, dass die Studierenden optimal auf die Herausforderungen, die sie an der Schule erwarten, vorbereitet sind. Laut Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 07.03.2013 "Empfehlungen zur Eignungsabklärung in der ersten Phase der Lehrerausbildung", "können den Studierenden spezifische Angebote zur Weiterentwicklung ihrer Stärkenoder zur Beseitigung ihrer Schwächen unterbreitet werden".

Da der Quedlinburger Beschluss 2005 eher generell formuliert war und keine zeitlichen Bestimmungen vorgab, konkretisierte ihn die Kultusministerkonferenz im Jahr 2007 unter anderem zur Verbesserung der Mobilität innerhalb der Bundesländer. Diese einigten sich darauf, dass die Aufnahme in den Schuldienst eine mindestens anderthalbjährigeschulpraktische Ausbildung voraussetzt, wobei der Vorbereitungsdienst, besser bekannt als das Referendariat, eine Mindestdauer von einem Jahr haben muss.

Die Praktika in den einzelnen Bundesländern

Auch bezüglich der ersten Phase der Lehramtsausbildung gibt es bundesweit unterschiedliche Konzeptionen. So haben einige Bundesländer das sogenannte Praxissemester im Masterstudium eingeführt, während andere an den traditionellen Praktika festhalten. Da die Universitäten autonom sind und selbst speziellen Regelungen bezüglich Schwerpunktsetzung und Organisation unterliegen, findet man im Rahmen der länderspezifischen Vorgaben zudem noch eine Vielzahl unterschiedlicher Formen schulpraktischer Studien, auch innerhalb eines Bundeslandes. Es gibt also durchaus Unterschiede an verschiedenen Universitäten im gleichen Bundesland.

Das Referendariat in den einzelnen Bundesländern

So differiert ebenfalls die zweite Phase der Lehramtsausbildung, das Referendariat, innerhalb Deutschlands nicht nur konzeptionell, sondern auch hinsichtlich der Dauer von zwölf Monaten in Sachsen bis zu 24 Monaten in Bayern (in den meisten Bundesländern dauert der Vorbereitungsdienst 18 Monate). Mehr Informationen zur Dauer des Referendariats in den einzelnen Bundesländern findest du im Bundesland-Guide.

Übersicht über die Praxisphasen in den einzelnen Bundesländern

So kann man nicht von DEM Praxissemester sprechen.

Dennoch soll die folgende Zusammenstellung einen kleinen Überblick über die unterschiedlichen Praxissemester der Bundesländer geben, die das Praxissemester in einigen oder gar allen Lehrämtern eingeführt haben:

Baden-WĂĽrttemberg â—¦ erstmalig WS 2015/2016
â—¦ Dauer 12 Wochen
Berlin â—¦ erstmalig WS 2016/2017
â—¦ 30 ECTS
Brandenburg â—¦ mind. 16 Wochen
Bremen â—¦ erstmalige DurchfĂĽhrung im SoSe 2015
Hamburg â—¦ 30 ECTS
â—¦ Das Kernpraktikum erstreckt sich ĂĽber zwei Semester
â—¦ Die Studierenden (auĂźer des Typs 5) erbringen im 2. und 3. Mastersemester jeweils 15 ECTS im Rahmen des Kernpraktikums
◦ Während der Vorlesungszeit sind sie i. d. R. einen Tag in der Schule und in der vorlesungsfreien Zeit findet dann ein Praktikumsblock statt
â—¦ Das Kernpraktikum ist je nach Lehramtstyp unterschiedlich ausgestaltet
Niedersachen â—¦ 18 Wochen Praxisblock in der Schule zzgl. Vor- und Nachbereitung
Nordrhein-Westfalen â—¦ 5 Monate
Sachsen-Anhalt â—¦ 30 CP
Schleswig-Holstein â—¦ 30 LP
â—¦ 10-14 Schulwochen im Masterstudium
ThĂĽringen â—¦ 30 ECTS fĂĽr ein komplexes Schulpraktikum
â—¦ 30 ECTS Praxissemester

Wie du siehst sind die Praxissemester bzw. die Praxisphasen sehr unterschiedlich ausgelegt. Mehr Informationen dazu findest du auch in unserem Bundesland-Guide.

Praxissemester im Auslandssemester

Einige Universitäten bieten das Praxissemester in Form eines Auslandssemesters an. Dadurch ist es möglich, seine interkulturellen Kompetenzen zu erweitern und weitere wertvolle Erfahrungen im Ausland zu sammeln, die über die Erfahrungen im deutschen System hinausgehen. Da es hierbei spezielle Anforderungen gibt, die unbedingt beachtet werden sollten, ist es empfehlenswert, sich bei Interesse diesbezüglich im Vorfeld genau beraten zu lassen.

Weitere Hinweise zum Praxissemester im Lehramtsstudium

Konkrete Hinweise zu den Praxissemestern findest du auch auf den Seiten der Kultusministerien bzw. der entsprechenden Universitäten.

Fazit zum Praxissemester

Aufgrund der Unterschiede in den einzelnen Bundesländern sowie der Universitäten, kann nicht von DEM Praxissemester gesprochen werden. Die Anzahl der Praktika sowie die Anzahl der Praxisstunden variiert durchaus. Deshalb solltest du dich auf der Website deiner Universität erkundigen, wie die Praxisphasen für dein Lehramtsstudium aussehen. An manchen Universitäten kannst du dein Praxissemester auch im Ausland absolvieren um neben deiner ersten Unterrichtserfahrung auch deine interkulturelle Kompetenz zu erweitern. Nach der ersten Phase deiner Lehramtsausbildung folgt die zweite Phase, das Referendariat. Auch hier gibt es je nach Bundesland deutliche Unterschiede. Die Dauer des Referendariats variiert von 12 bis 24 Monaten. Erkundige dich also im Vorhinein wie das Praxissemester fürs Lehramtsstudium in deinem Bundesland bzw. deiner Universität aussieht.

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