Praxissemester

Erfahrungsbericht: Praxissemester eines Lehramtsstudenten

Hier findet ihr einen Erfahrungsbericht zum Praxissemester eines Studenten, der an der Friedrich-Schiller-Universit├Ąt Jena sein Lehramtsstudium absolviert. Der Bericht informiert euch ├╝ber den allgemeinen Aufbau und Ablauf des Praxissemesters und liefert euch insbesondere auch interessante Einblicke, wie dieser Abschnitt des Studiums aus der Perspektive eines Studierenden erlebt wird. Wir w├╝nschen viel Spa├č beim Lesen!

Erfahrungsbericht zum Praxissemester
Das erste Praxissemester w├Ąhrend des Lehramtsstudiums ist schon einen Erfahrungsbericht wert!, (C) WavebreakMediaMicro / Fotolia

Erfahrungsbericht zum Praxissemester von Dominic Dives

Aufbau und Ablauf

Nach langem Theorie-Studium und unz├Ąhligen Seminaren, Hausarbeiten und Referaten endlich vor einer Klasse stehen ÔÇô ein besonderer Moment f├╝r jeden Lehramtsstudenten. Das aktive Unterrichten vor der Klasse ist f├╝r alle Studierenden der Friedrich-Schiller-Universit├Ąt Jena fester Bestandteil des vorangeschrittenen Studiums und eines der Alleinstellungsmerkmale des sogenannten "Jenaer Modells der Lehrerbildung".

F├╝r ein ganzes Semester, respektive Schulhalbjahr, hei├čt es hospitieren, Unterricht vorbereiten sowie halten und reflektieren. ├ťber 200 Einrichtungen aller weiterf├╝hrenden Schularten (Gymnasium, Realschule, Gesamtschule ...) bieten innerhalb Th├╝ringens die M├Âglichkeit, das Praxissemesters zu absolvieren. Auf gesondertem Antrag hin ist es auch m├Âglich, das Praxissemster an einer Schule au├čerhalb des Bundeslandes oder gar au├čerhalb Deutschlands abzuleisten.

Bis zu drei Praktikanten arbeiten dabei gemeinsam an einer Schule. Dies erm├Âglicht einen stetigen gemeinsamen Austausch sowie auf Wunsch gegenseitiges Hospitieren f├╝r anschlie├čende Feedbackrunden. Um die Studierenden langsam an das Unterrichten heranzuf├╝hren und entsprechend vorzubereiten, besteht das Praxissemester aus drei ineinander greifenden Phasen: Die Einf├╝hrungsphase, die Unterrichtsphase sowie die Diagnose- und Evaluationsphase. Jeweils einmal w├Âchentlich findet zum geregelten Schuldienst ein Blockseminar an der Universit├Ąt statt, das zur gemeinsamen Reflexion und dem Vertiefen von theoretischem Wissen dient. Die Ziele und Kompetenzen, die innerhalb des Praxissemesters besonders herausgearbeitet werden sollen, sind unter anderem:

  • Das Kennenlernen des Berufsfeldes
  • Der Gewinn von Unterrichtskompetenz
  • Das Entwickeln von Lerndiagnose sowie Beratungs- und Evaluationskompetenzen

Eigene Eindr├╝cke

Ich pers├Ânlich (Student f├╝r Kunsterziehung an Gymnasien) empfand das Praxissemester uneingeschr├Ąnkt als Gewinn. Sowohl auf pers├Ânlicher Ebene als auch auf sozialer Ebene habe ich mich durch die Arbeit an der Schule weiterentwickelt. Besonders nach l├Ąngerem Studium ohne direkten Kontakt zu einer Klasse und ohne konkrete Unterrichtssituationen war es eine willkommene Abwechslung, vor den Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern zu stehen. Durch die obligatorische Einf├╝hrungsphase werden auch diejenigen Studierenden ermutigt, die Lampenfieber vor ihrer ersten Unterrichtsstunde haben oder sich anderweitig unsicher f├╝hlen. ├ťber die gesamte Dauer des Praxissemesters ist ein zust├Ąndiger Fachkollege im Klassenzimmer pr├Ąsent und kann gegebenfalls unterst├╝tzend eingreifen. Auch f├╝r Nachgespr├Ąche oder Absprachen zum Inhalt der Stunde stehen die entsprechenden Kollegen (Verantwortliche f├╝r Ausbildung) zur Verf├╝gung. Daraus resultiert f├╝r den Studierenden ein Unterricht, in dem er zwar f├╝r die F├╝hrung und Inhalte verantwortlich ist, jedoch durch die Pr├Ąsenz des Fachlehrers eine Absicherung erh├Ąlt. F├Ârderlich ist dies besonders hinsichtlich Disziplin und Aufmerksamkeit der Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler.

Aktives, eigenes Unterrichten soll sich im Idealfall mit Hospitieren abwechseln und erg├Ąnzen und den eigenen Blick f├╝r konkrete Situationen sch├Ąrfen. Wie gehe ich mit St├Ârungen um? Wie aktiviere ich die Klasse? Wie gew├Ąhrleiste ich angemessene Differenzierung?

Diese und weitere Fragestellungen sind auch zentrales Thema der begleitenden Lehrveranstaltungen an der Universit├Ąt, die eingangs erw├Ąhnt wurden. Die Seminare finden in kleineren Gruppen (20-30 Personen) statt und werden oft durch Heimlekt├╝re mit gezielten Schwerpunkten erg├Ąnzt. Diese Lehrveranstaltungen sind f├╝r viele Studierenden neben der zeitintensiven Arbeit an der Praxisschule jedoch oftmals eine zus├Ątzliche Belastung, die nur widerwillig abgearbeitet wird ÔÇô schlie├člich m├Âchte man sich auf die Aufgaben an der Schule konzentrieren und ist durch den anhaltenden Wechsel von Vorbereiten, Durchf├╝hren und Evaluieren bereits vollends ausgelastet. Diese Kritik wurde von Seiten der Studierenden jedoch schon an die Universit├Ąt herangetragen. Eine Vielzahl der Praktikanten w├╝rde es bef├╝rworten, wenn sich der Fokus im Laufe der kommenden Semester weiter zugunsten der Arbeit mit den Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern ver├Ąndern w├╝rde.

Aus Sicht des Studierenden sowie meiner Kommilitonen ergibt sich hier jedoch ein gro├čer Kritikpunkt: Durch den anhaltenden Wechsel von Vorbereitung, Durchf├╝hrung und Evaluation des Unterrichts sind die Studierenden bereits vollends ausgelastet. Die an der Universit├Ąt zu bearbeitenden Aufgaben wirken hier wie eine Barriere, da sie vom Unterrichtsgeschehen im Praxissemester ablenken und daran hindern, sich zu 100 % auf die Praxisschule zu konzentrieren.

Abschlie├čende Gedanken

Als Lehrerinnen und Lehrer werden wir sp├Ąter sicherlich vor unterschiedliche Herausforderungen gestellt, auf die uns kein Seminar und keine Vorlesung vorbereiten kann. Durch die pers├Ânlichen Erfahrungen im Praxissemester an den Schulen, das Unterrichten oder dem Kennenlernen von unterschiedlichen Herangehensweisen der Unterrichtsvermittlung wird es einem leichter fallen, auf die Bed├╝rfnisse und W├╝nsche von Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler einzugehen. Insbesondere im Hinblick darauf ist ein studienbegleitendes Praktikum an einer Bildungseinrichtung ein absoluter Gewinn f├╝r jeden Studierenden, egal, an welcher Hochschule man studiert.

Ich pers├Ânlich empfand das Praxissemester uneingeschr├Ąnkt als Gewinn.

Weitere Tipps und Ratschl├Ąge f├╝r das Praxissemester ├╝ber diesen Erfahrungsbericht hinaus

In diesem Erfahrungsbericht von Dominic Dives hast du viele interessante Tipps und Eindr├╝cke aus erster Hand erfahren. Hier m├Âchten wird dir noch weitere Tipps auf den Weg geben, die ├╝ber den Erfahrungsbericht zum Praxissemster hinaus gehen. Wir gehen hier auf die Wichtigkeit von Transparenz im Unterreicht ein, warum du ├Âfters auch Mut zur L├╝cke haben solltest und warum du das Rad im Praxissemester nicht neu erfinden muss.

Die Wichtigkeit von Transparenz

Gerade im Praxissesmester ist es wichtig deinen Sch├╝lern m├Âglichst fr├╝h mitzuteilen was du f├╝r die jeweiligen Unterrichtsstunden geplant hast. Sowohl die Angaben zum geplanten Stoff aber auch Zeiten zur Bearbeitung von Aufgaben dienen den Sch├╝lern zu Orientierung schaffen Transparenz im Unterricht.

Mut zur L├╝cke

Das Praxissemester ist ein Abschnitt im Lehrberuf, der viele neue Aufgaben und Herausforderungen beinhaltet. Gerade deshalb ist es wichtig den ├ťberblick ├╝ber deine Aufgaben zu behalten um den Unterricht strukturiert planen zu k├Ânnen. Aus diesem Grund ist es im Praxissemster daher oft besser nicht zu perfektionistisch zu sein und alles bis ins Details planen zu wollen. Oft ist es gerade die Improvisation im Unterricht die Praxis im Schulalltag interessant und abwechslungsreich macht, da hier vielmehr ein spontanes Handeln und ein kreatives Denken gefragt ist.

Das Rad nicht neu erfinden

Zu guter Letzt solltest du dir auch bewusst sein, dass du im Praxissemester nicht jedes Aufgabenblatt und weitere Unterrichtsmaterialien von dir selbst von Grund auf neu erstellt werden muss. Es gibt bereits viele und auch sehr gute Unterrichtsmaterialien, an denen du dich nat├╝rlich orientieren kannst und solltest. Du musst das Rad hier also nicht neu erfinden.

Eine ausf├╝hrliche ├ťbersicht und weitere Tipps findest du in unserem Artikel ├╝ber Tipps f├╝r das Praxissemester.

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