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Unterrichtsentwürfe - wie werden sie perfekt?

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Gleich zu Beginn: Eine klare Antwort auf diese Frage wird es nicht geben. Enttäuscht? Herzlich willkommen im Universum der Lehramtsausbildung. "Perfektionist und Lehrer sein ist eine tödliche Kombination. Und wenn nicht tödlich, dann zumindest prädestiniert für ein Burn Out." Diese Worte stammen von einem Pädagogik-Dozenten und fielen so in einem Seminar zum Thema Gesund durch den Lehreralltag. Einige Teilnehmer klopften sich grinsend gegenseitig auf die Schultern und fühlten sich offenbar in ihrer Berufswahl bestätigt. Andere packten mit einem verschämten Seitenblick ihre perfekt vorbereiteten Seminarunterlagen in ihre perfekt neben dem Stuhl positionierten Taschen und strichen ihren perfekt sitzenden Pony aus der Stirn, um sich das Ganze genauer anzuhören.

"Perfekt? Was ist schon perfekt? Schreiben Sie ihren Unterrichtsentwurf genauso wie es zu Ihnen passt. Sie müssen Ihren eigenen Weg finden. Es gibt kein richtig und kein falsch." Diese Worte wiederum fielen dann ein paar Jahre später in einer der ersten Sitzungen des Fachseminars des Vorbereitungsdienstes.

Jetzt, wieder ein paar Monate und etliche UB-Nachbesprechungen später die Erkenntnis: Sie alle hatten recht – Es gibt nichts objektiv Tolles, Richtiges, Perfektes, wenn es ums Thema Unterrichtsbesuche und Unterrichtsentwürfe geht. Die folgenden "Regeln" sind Hinweise, die richtige Einstellung zu all dem zu finden und das siebenköpfige Monster namens Unterrichtsentwurf zu domestizieren. Es wird nie ein Schoßhündchen sein, eher ein anspruchsvoller, sportlicher, aber auch toller Gefährte, der mehr für Dich tut als Du am Anfang denkst.

Regel Nr. 1: Argumentation

Alles, was du machst, musst du begründen! Und das gilt von A wie Ausarbeitungszeit bis Z wie Zettelwirtschaft. Dein Unterrichtsentwurf ist ein streng argumentativer Text. Keine Erzählung, kein Psychogram, kein Bericht. Wenn es um Deine Stunde geht, begründe jede einzelne Entscheidung. Begründe die Auswahl des Lerngegenstandes, des Lernziels, der Phasierung, der Methoden, der Sozialformen und der Medien. Mach das nicht nur für Deine Fachleiter oder Deinen Schulleiter, sondern für Dich. Stell Dir die Fragen: Warum habe ich mich hier für die Gruppenarbeit entschieden? Und eben NICHT für Einzelarbeit oder eine Plenumsphase? Welche Vorteile hat die Gruppenarbeit gegenüber den anderen Sozialformen für diese Phase? Aber Achtung: "Ich will mal Gruppenarbeit zeigen" oder "Mein Fachleiter will das sehen" sind zwar realistische Begründungen, sind aber offiziell ein No Go.

Betrachte Deine Entscheidungen stets als das Auswählen aus einer Fülle von Möglichkeiten, die es alle schon gibt. Und wenn Du etwas auswählst, denke die Alternativen mit. Beispielsweise: Warum habe ich mich für die Karikatur X am Anfang entschieden? Was wären Alternativen? Aber warum ist meine Entscheidung besser? Wenn Du die Alternativen mitdenkst, kannst Du in der Nachbesprechung Deine eigene Stunde direkt verbessern.

Was zusätzlich hilft: Versuche Deine eigenen, intuitiven Begründungen zu finden und guck erst dann in die Fachliteratur. Wähle dabei nur das aus, was zu Deiner Begründung passt. Damit bleibst Du Dir treu und schaffst es, den Überblick zu behalten. Denn soviel sei gesagt: Zeit hat man am Ende eigentlich nie.

Regel Nr. 2: Übersicht

Mach Dir immer Deine Zielgruppe bewusst und was Du bei ihnen bewirken willst: Erfahrene Ausbilder, sollen innerhalb kürzester Zeit eine Idee davon bekommen, was in der Stunde passiert, und dass Du die Kontrolle über Dein Tun hast.

Regel Nr. 3: Relevanz

Im ersten Teil Deines Entwurfs wird es vermutlich um die größeren Zusammenhänge gehen: Thema der Reihe, die Lernausgangslage der Gruppe, die Anbindung an den Lehrplan und die Kompetenzen. Achte darauf, dass Du nicht ins allgemeine Bla Bla verfällst. Was dem Professor an der Uni noch gefallen hat (Bauchpinseln, ein Bisschen über sein Buch plaudern) ist hier völlig egal. Prüfe jeden Satz, ob er relevant für Deine gezeigte Stunde ist. Kompetenz 43.ii des Inhaltsfeldes X des Lehrplans Deines Bundeslandes interessiert nämlich niemanden, wenn Du sie in der Stunde in nicht förderst. Ebenso interessiert es keinen Menschen, ob Leon in der ersten Reihe seinen Arm gebrochen hat oder öfter mal aus der Nase blutet. Wenn Du nicht konkret sagst, was Das mit Deiner Stunde zu tun hat.

Regel Nr. 4: Geduld

Dieser Text ist zwar voll von Ratschlägen, aber letztlich musst Du Dir Zeit geben. Wenn alle schon alles könnten, hätte man auch gleich das zweite Staatsexamen elegant nach dem Studium hinlegen können. Hat aber keiner. Überfordere Dich nicht. Bescheidenheit ist eine Tugend, sie sollte aber nicht in Selbstzweifel ausarten. Versuche also, die Nachbesprechungen selbst zu moderieren und zu einem konstruktiven Gespräch werden zu lassen. Hol Dir die Rückmeldung, die Du zum Lernen brauchst. Sei kritisch, aber immer nur an den Stellen, wo Du im nächsten Augenblick eine glänzende Alternative auf den Tisch legen kannst. Du siehst: Es wird von Dir verlangt, ein Unterrichts-Profi zu werden. Das ist grundsätzlich etwas Gutes, denn Lehrer zu sein ist eben nichts, was man in die Wiege gelegt bekommt. Das viel gehörte: "Entweder man kann es oder man kann es nicht", ist falsch. Im Referendariat wirst Du das Handwerk lernen. Und wie wird ein Unterrichtsentwurf perfekt? Nicht, indem Du Wunder vollbringst, sondern indem Du zeigst, dass Du auf dem Weg bist, ein Profi zu werden. Ein Profi, der mit dem gebändigten Monster einen strammen Spaziergang hinlegt und ganz nebenbei die eigene Fitness stärkt.

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