So kannst du mit lästigen Unterrichtsstörungen umgehen

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Egal ob das Piepen eines Smartphones, plötzliches Nasenbluten oder einfach nur das altbekannte Tuscheln: Unterrichtsstörungen könnten kaum unterschiedlicher sein. Zugegeben, sie gehören zum Schulalltag dazu und ergeben sich oft unverhofft. Das kann während einer sorgfältig geplanten Unterrichtsstunde aber trotzdem nervig sein. Die Kunst ist, zu wissen, wie du richtig und professionell mit Unterrichtsstörungen umgehst. Wir zeigen dir hier, warum du dich nicht über Unterrichtsstörungen ärgern darfst und wie du kompetent auf sie reagierst. 

So kannst du mit lästigen Unterrichtsstörungen umgehen

Unterrichtsstörungen sind unvermeidbar

Unterricht ohne Störungen? Eine Traumvorstellung! Wahrscheinlich kennst du es selbst: 45 Minuten lang durchgehend konzentriert und ohne Ablenkung zu arbeiten, ist schon für Erwachsene eine Herausforderung. Wenn in einem Klassenzimmer dann um die 25 Kinder oder Jugendliche mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Hintergründen und Tagesformen aufeinandertreffen, steigt die Wahrscheinlichkeit für Störungen erheblich. 

 

Ob Kippeln, Zwischenrufe oder Unaufmerksamkeit: Kleinere Ablenkungen gehören zum Schulalltag. Trotzdem sind Unterrichtsstörungen belastend für die Nerven. Viel gravierender ist noch, dass sie sich auf die Qualität des Unterrichts auswirken. Sie beeinflussen die Lernatmosphäre, unterbrechen didaktische Abläufe und können den Lernerfolg erheblich beeinträchtigen. Wenn sich die Aufmerksamkeit deiner Schülerinnen immer wieder vom Lernstoff entfernt, wird es schwierig, den roten Faden beizubehalten und den Unterricht wieder in den Mittelpunkt der Stunde zu rücken. 

 

Vier Arten von Unterrichtsstörungen

Unterrichtsstörungen zeigen sich vielfältig und oft subtil. Manchmal ist es das ständige Flüstern in der letzten Reihe oder das nervöse Herumspielen mit dem Handy. Solche Störungen gehen zwar meist von Einzelnen aus, wirken sich aber schnell auf die gesamte Klasse aus. Auch das Gegenteil kann stören: Wenn Schüler*innen still dasitzen, aber mit den Gedanken woanders sind und dadurch nicht im Unterricht mitarbeiten. 

 

Allgemein lassen sich Unterrichtsstörungen in vier Arten einteilen: 

 

  • Verbale Unterrichtsstörungen: Gespräche unter Schüler*innen, ständige Nachfragen ohne inhaltlichen Bezug oder wiederholte Zwischenrufe zählen zu dieser Kategorie. Die akustischen Ablenkungen sorgen für Unruhe. 

  • Ablenkende Verhaltensweisen: Dazu gehören Klassiker wie Kippeln, unentschuldigtes Zuspätkommen, das unerlaubte Nutzen von Smartphones oder das hektische Zusammenpacken vor dem Stundenende. Diese Störungen wirken zwar beiläufig, können aber den Unterrichtsfluss empfindlich stören. 

  • Aggressives Verhalten: Dieses Spektrum reicht von kleinen Wortgefechten über Provokationen bis hin zu ernsthaften Konflikten oder sogar körperlichen Auseinandersetzungen. Hier sind pädagogisches Fingerspitzengefühl und gegebenenfalls Unterstützung durch die Schulleitung gefragt. 

  • Passive Störungen: Unaufmerksame und abwesende Schüler*innen sind leicht zu übersehen. Dennoch verweigern sie durch ihr Verhalten die Mitarbeit und können so den Unterrichtsfluss stören. 

 

Hinweis: Verstöße gegen gemeinsam vereinbarte Klassenregeln sind ein häufiger Auslöser von Störungen. Umso wichtiger ist es, diese Regeln nicht von oben herab zu diktieren, sondern partizipativ mit der Klasse zu entwickeln. Rituale, klare Abläufe und transparente Konsequenzen stärken das Gemeinschaftsgefühl und beugen vielen Konflikten vor. 

Prävention von Unterrichtsstörungen

Fassen wir zusammen: Du kannst Unterrichtsstörungen nicht vermeiden. Aber du kannst mit einer guten Vorbereitung dafür sorgen, dass die Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens sinkt. Wir haben ein paar Tipps für dich

Unterricht gut vorbereiten

Obwohl Unterrichtsstörungen meist unvermeidbar sind, kann Prävention trotzdem Abhilfe schaffen. Das betrifft zum einen deine Unterrichtsplanung. Wenn du alle Schüler*innen mitnimmst und du sie mit beispielsweise kreativen Methoden zur Teilnahme motivierst, ist weniger Raum für Ablenkung. Wenn du merkst, dass deine Schüler*innen unaufmerksam sind, setze lieber auf eine Wiederholung, anstatt ein neues Thema anzuschneiden. 

 

Zum anderen sollte dein Unterricht fließend sein: Plane Übergänge so, dass keine Wartezeiten entstehen. Bereite Arbeitsmaterialien sorgfältig vor, um Fragen und Verwirrung zu vermeiden. Wenn du technische Geräte einsetzen möchtest, teste sie bereits vor Unterrichtsbeginn.  

Konsequenzen für Unterrichtsstörungen sind klar

Es sollte eigentlich klar sein, dass das Smartphone im Unterricht tabu ist. In der Realität ist das jedoch keine verlässliche Garantie für vorbildliches Verhalten. Du solltest stattdessen klare Regeln einführen, was im Unterricht erlaubt ist und was nicht. Am besten bindest du deine Klasse aktiv ein, damit die Regeln von allen geachtet werden. 

 

Diese Klassenregeln kannst du gut sichtbar auf einem Plakat im Raum aufhängen. Wenn jemand eine Regel verstößt, reicht oft schon ein Verweis auf diese Regeln aus, um die Person zu ermahnen. Wenn das nicht funktioniert, kannst du andere Maßnahmen heranziehen: Setze beispielsweise Schüler*innen, die ununterbrochen für Unruhe sorgen, auseinander. In manchen Fällen kann auch Nachsitzen angebracht sein.  

 

Unser Tipp: Ein gutes Classroom Management hilft dabei, Unterrichtsstörungen zu vermeiden. Damit kannst du Ablenkungen im Unterricht reduzieren und die Schüler*innen mit in die Verantwortung nehmen, um eine produktive Lernatmosphäre zu schaffen. 

4 Tipps für den Umgang mit Unterrichtsstörungen

Selbst mit sorgfältiger Planung und perfekter Unterrichtsvorbereitung lassen sich Störungen im Klassenzimmer nicht vollständig vermeiden. Wichtig ist deshalb nicht, ob sie auftreten – sondern wie du damit umgehst. Hier findest du einige Strategien, die dir helfen, professionell und gelassen zu reagieren. 

4 Tipps für den Umgang mit Unterrichtsstörungen
Abbildung 1: 4 Tipps für den Umgang mit Unterrichtsstörungen (eigene Darstellung)

Ruhig bleiben und Perspektive wechseln

Hinter Unterrichtsstörungen stecken in den allermeisten Fällen keine bösen Absichten. Kinder und Jugendliche testen Grenzen aus, verlieren die Konzentration oder reagieren auf innere Unruhe. Statt vorschnell zu urteilen, hilft oft ein Perspektivwechsel. 

 

Versetz dich dazu in die Rolle deiner Schüler*innen:  

 

  • War ihr Verhalten wirklich so schlimm?  

  • War es für sie nicht möglich, länger stillzusitzen?  

  • Sind sie mit ihren Gedanken einfach abgeschweift?  

  • Konnten sie den Lachanfall nicht mehr unterdrücken?  

 

Egal ob aus deiner eigenen Schulzeit oder deinem Privatleben: Viele Situationen kommen dir bestimmt bekannt vor. Solche Fragen helfen dir, Distanz zu schaffen und gelassener zu reagieren. Das ist die richtige Basis, um souverän einzugreifen und schnell wieder die Kontrolle über den Unterricht zu gewinnen. 

 

Unser Tipp: Ärgere dich nicht, wenn du die Kontrolle über den Unterricht verlierst und nimm unangebrachtes Verhalten deiner Schüler*innen nicht persönlich. Wir sind alle nur Menschen und jeder kann mal einen schlechten Tag haben – auch deine Schüler*innen. Freunde dich mit der Ungewissheit an und vertraue darauf, dass du das Wissen und Können hast, um mit einer unvorhersehbaren Unterrichtsstörung kompetent umzugehen.  

Klare Anweisungen geben

Damit deine Schüler*innen deinen Anweisungen folgen können, müssen sie eindeutig und konkret formuliert sein. Vage Bitten wie „Seid bitte leise“ sind oft wenig wirksam. Darüber hinaus hilft es, wenn du dich auf das konzentrierst, was gut läuft. Das motiviert mehr als Tadel. Ebenso ist es ratsam, die Schüler*innen nicht beim Namen zu nennen, wenn sie sich falsch verhalten. So fühlt sich niemand bloßgestellt und du reduzierst das Eskalationspotenzial. 

 

Je klarer deine Sprache, desto klarer ist dein Unterricht. Hier sind ein paar Beispiele: 

 

  • Konkrete Formulierungen: Sag lieber „Mund zu. Augen zu mir.“ statt „Hört auf zu tuscheln.“ 

  • Positive Sprache: Sag lieber „Fast alle haben schon einen Stift in der Hand – super. Wir warten noch auf den Rest. statt „Julius und Marie, ihr sollt mitschreiben.“ 

 

Nach einer kurzen Intervention solltest du immer möglichst rasch zum Unterricht zurückkehren und das Lernen wieder in den Mittelpunkt stellen. 

 

Unser Tipp: In der Theorie klingt immer alles einfach. Wenn du das erste Mal selbst mit Unterrichtsstörungen konfrontiert bist, kann das nervenaufreibend sein. Setz dich nicht unter Druck. Denk daran: Je mehr Erfahrungen du sammelst, desto leichter fällt dir der Umgang mit Unterrichtsstörungen.  

Verbale und nonverbale Kommunikation zielgerichtet einsetzen

Du kommunizierst nicht nur mit Worten. Auch deine Körperhaltung, Mimik und Stimme senden Signale. Diese kannst und solltest du gezielt bei Unterrichtsstörungen nutzen: 

 

  • Stimme: Sprich ruhig, aber bestimmt. Laut werden wirkt selten souverän. 

  • Körpersprache: Präsenz zeigen, zum Beispiel durch Bewegung im Raum oder bewussten Blickkontakt. 

  • Sprechpausen: Ein plötzlicher Moment der Stille kann mehr bewirken als jede Ermahnung. 

 

Deine Reaktion ist maßgeblich, um Störungen schnell zu unterbinden oder sogar aufzulösen. Beachte aber, dass deine Reaktion angemessen sein sollte. Wenn du mehr Aufmerksamkeit auf dich ziehst, als notwendig, kann das ebenfalls störend sein.  

 

Überleg also immer, ob es wirklich notwendig ist, einzugreifen, oder ob eine kleine Unterrichtsstörung von allein verschwindet. Es kann sinnvoll sein, keine große Sache daraus zu machen. Wenn du einer Störung unnötig viel Raum gibst, kann dich das wertvolle Unterrichtszeit kosten.  

 

Falls eine Reaktion unvermeidbar ist, bleib ruhig und verbindlich. Zeige deinen Schüler*innen, dass du sie ernst nimmst, aber dass der Unterricht Priorität hat. Baue dazu Blickkontakt mit ihnen auf, werde nicht laut und sprich respektvoll mit ihnen. Begegne deinen Schüler*innen auf Augenhöhe, anstatt direkt eine Drohung auszusprechen. Ich-Botschaften und klare Ansagen mit begrenzten Wahlmöglichkeiten sorgen für mehr Verständnis und Verbindlichkeit.  

 

Unser Tipp: Wenn du das Gefühl hast, dass viele Schüler*innen unaufmerksam und hibbelig sind, kann auch eine Bewegungspause helfen. 

Konsequent, aber fair Grenzen setzen

Konsequentes Verhalten schafft Sicherheit. Wenn du klare Regeln mit deiner Klasse vereinbart hast, solltest du sie freundlich, aber verbindlich einhalten. Dafür gilt: 

 

  • Konsequenzen sollen bekannt und nachvollziehbar sein. 

  • Nicht impulsiv strafen. Bewerte die Situation möglichst neutral. 

  • Lieber eine kleinere Konsequenz sicher durchsetzen, als große Sanktionen anzudrohen, die dann nicht folgen. 

 

Wenn Schüler*innen konstant tuscheln, kann zum Beispiel ein einfaches Umsetzen ohne großes Drama helfen. 

 

Bei ernsteren Vorfällen geht Deeskalation vor Konfrontation. Hol betroffene Schüler*innen nach der Stunde zur Seite, sprich ruhig und sachlich mit ihnen.  

 

Unser Tipp: Du bist nicht allein. Besonders bei auffälligem Verhalten lohnt es sich, Rücksprache mit Kolleg*innen oder Vertrauenslehrkräften zu halten. Viele Schulen haben klare Konzepte zum Umgang mit schwierigen Situationen – nutze diese Strukturen.  

Mögliche Ursachen für Unterrichtsstörungen

Es wird viele Situationen geben, in denen du niemals herausfinden wirst, was die Ursache für eine Störung war. Zudem sind Unterrichtsstörungen so vielseitig, dass du dich als Lehrkraft niemals auf jedes mögliche Szenario vorbereiten kannst.  

 

Dennoch kann es hilfreich sein, die Gründe für Unterrichtsstörungen zu verstehen, um angemessen zu handeln. Mögliche Ursachen können beispielsweise sein: 

 

  • Egal ob Nachrichten oder Unterhaltungsmedien: Mit einem Smartphone ist die nächste Ablenkung nur einen Handgriff entfernt. 

  • Zu wenig Bewegung oder fehlender Schlaf können die Konzentration deiner Schüler*innen beeinträchtigen. 

  • Streitigkeiten oder sogar Mobbing unter Schüler*innen machen vor dem Unterricht keinen Halt. 

  • Probleme zu Hause oder im Freundeskreis, sowie Identitätsprobleme in der Pubertät können das Verhalten deiner Schüler*innen im Unterricht beeinflussen. 

  • Fehlende Motivation für die Unterrichtsbeteiligung kann auch damit zusammenhängen, ob die Schüler*innen über- oder unterfordert sind. 

 

Unser Tipp: Je nachdem, wie auffällig das Verhalten einzelner Schüler*innen ist, solltest du darüber nachdenken, das Gespräch mit der Person und/oder den Eltern zu suchen.  

Fazit: Prävention hilft gegen Unterrichtsstörungen

Unterrichtsstörungen sind ein ständiger Begleiter von Lehrkräften und meist nicht vorhersehbar. Während du einige Auslöser wie schlechten Schlaf oder ein zu volles Freizeitprogramm kaum beeinflussen kannst, gibt es trotzdem ein paar Dinge, um Unterrichtsstörungen zu reduzieren oder sie schnell zu unterbinden. Generell solltest du vorausschauend handeln und angemessen reagieren. Dabei helfen dir ein gut strukturierter, flüssiger Unterricht, klare Regeln im Klassenzimmer sowie eine respektvolle, aber verbindliche Kommunikation mit deinen Schüler*innen. Falls das nicht ausreicht, kannst du deine Schüler*innen direkt für ihr Verhalten zur Rechenschaft ziehen oder das Gespräch abseits des Unterrichts suchen. 

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